Unnütz

Die aktuelle Schreibeinladung von Christiane bietet die Auswahl von fünf aus sechs Stichwörtern als da wären Wackelpudding, Hoffnungsschimmer, unverzeihlich, unverdrossen, knistern und nähen.

Der Wackelpudding ist erst einmal unnütz. Sein einziger Daseinszweck ist es, zu schmecken. Er gehört einfach verspeist und nichts sonst.

Das spricht keineswegs gegen ihn, zumal ich im Laufe meiner Jahre zur kulinarischen Einfachheit neige: möglichst nur das aus Lebensmitteln herausholen, was in ihnen steckt. Warum etwa soll ich einer Karotte geschmacklich unter die Arme greifen, wo sie von Natur aus eh schon schmeckt? Und der Wackelpudding ist (Achtung Pleonasmus!) Reinheit pur, der auf filigran-kulinaridchen Schnickschnack (von diesem noch ein Messerspitzchen, von jenem noch ein Prischen), nicht angewiesen ist. Ein Minimum an Zutaten, vor allem Wasser, genügt, und bald erblüht er in der Schüssel zu strahlendem Glanz. Ein wahrer löffelweise zu genießender Hoffnungsschimmer am Ende eines zermürbenden und stressreichen Arbeitstags.

Bei ihm muss man nicht fürchten, dass sein Verzehr wie bei einer Karotte plötzlich in eine unverzeihliche Katastrophe mündet, weil ein Sandkörnchen wieder einmal selbst die intensivste Bürstenreinigung überstanden hat und man nicht kaut, sondern knistert. Er bleibt, fern von derlei Widrigkeiten, unverdrossen auf Linie und will nur eines: uns erfreuen. Aber ansonsten ist er, wie gesagt, erst einmal unnütz.

Stadt oder Land – eine Frage der Vorlieben

Fröhliches Kinderlachen ertönt von der Spielstraße. Über mir hat irgendein Nachbar Musik an. Sie mag nicht zu laut eingestellt sein. Die Bässe jedoch ertönen auch in meiner Wohnung. Von der Hauptstraße wird ein dumpfes Geräusch immer lauter. Ein Krankenwagen fährt mit Blaulicht vorbei. Zwischendurch schwillt regelmäßig das Geräusch eines Zuges an, der neben meiner Wohnung vorbei fährt. Es ist Sonntag mittag 12 Uhr und die Kirchenglocken läuten. Selbst heute scheint in einer Großstadt nie ganz Ruhe einzukehren. Mit einer Spielstraße auf der einen und mit einer Bahnstrecke auf der andere Seite meiner Wohnung bin ich jedoch noch in einer ruhigen Gegend Münchens, obwohl meine Wohnung zentral liegt.

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Erziehung im Straßenverkehr

Die Fußgängerampel schaltet auf grün. In aller Gemütsruhe fährt eine Frau mittleren Alters ohne Helm auf dem Fahrradweg, der auf der Straße verläuft. Sie schert sich nicht darum, dass sie rot hat und ob Fußgänger gerade die Straße überqueren. Sie fährt weiter und ignoriert mit einer gekonnten Ruhe die rote Ampel. Als ob das nicht schlimm genug wäre, beobachte ich ein kleines Mädchen – es mag vielleicht um die zwölf Jahre alt sein. Es ist auch ohne Helm unterwegs, allerdings mit einigem Abstand zu besagter Dame. Als das Mädchen „Mama!“, schreit, wird mir bewusst, dass beide zusammengehören.

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