Nachtrag

Am 28. Januar 2019 habe ich hier über Aster Maria geschrieben, eine Frau, die sich aus mancherlei gründen einen festen Platz in meinem Herzen erobert hat. Sie, die selber im Armenhaus gewohnt hat, hat mir zur Erstkommunion eine Glückwunschkarte geschenkt, die sie bestimmt viel gekostet hat. Aber sie war davon überzeugt, dass man Gott schenkt, was man einem Kind schenkt. Eine andere Bewohnerin des Armenhauses machte es übrigens genauso: Lina Trifterer. Jetzt habe ich diese beiden Karten wiederentdeckt und möchte damit gerne meinen Beitrag von 2019 ergänzen.

Das ist die Karte von Aster Maria.
Das ist die Karte von Trifterer Lina.

Wir heucheln uns durch

Wenn keiner mehr den Müll runterträgt und ein die Luft verpestendes, den Wald durchsäuerndes, das Ozonloch vergrößerndes, das Klima wandelndes Ausmaß angenommen hat, weiß man, dass es etwas geschlagen hat. Aber was? Soll man ihn verbieten? Geht nicht. Also muss man ihn vermarkten.

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Eichkätzchen

In Bayern nennt man sie „Oachkatzl“, die Eichhörnchen, also „Eichkätzchen“. Es ist schier atemberaubend, wenn man sieht, mit welcher Geschwindigkeit sie von einem Baumwipfel zum anderen sprinten und sogar an Häuserwänden hochklettern, aber dann schön still halten, wenn man sie fotografieren möchte. Als wollten sie Modell stehen. Wahrscheinlicher ist, dass sie auf Futter spekulieren, wenn man die Kamera aus der Tasche holt, wie ich das vor kurzem gemacht habe.

Irgendwann im Frühjahr

Es ist heiß. Eindeutig heiß. Sogar diejenigen, die im Frühjahr der Sommersonne entgegenfiebern, stöhnen sich mehr durch die Hitze als dass sie sich ihrer erfreuen.


In der S-Bahn sitzen sich zwei Damen gegenüber. Sie unterhalten sich über die Hitze in ihren Büros. Die eine meint, dass an solchen Tagen eine Klimaanlage wenigstens im Büro für Abkühlung sorge. Die andere Dame berichtet vom Gegenteil. Die Klimaanlage in ihrem Büro erzeuge so viel Kühle, dass man das Fenster aufmachen müsse, um die Raumtemperatur angenehm zu halten.

Humor im Alltag

Man solle das Leben mit Humor nehmen, sagt man, dann ließe es sich leichter ertragen. Das will ich gerne glauben. Nur: Wo soll ich den Humor hernehmen? Ich könnte schon am Morgen eine gehörige Portion davon brauchen, wenn mich der Wecker aus dem Schlaf reißt. Oder wenn ich mich der S-Bahn anvertraue, deren Zuverlässigkeit sich in einem Wort zusammenfassen lässt: Verspätung. Kurz und gut: Wenn man dringend etwas Humor braucht, ist keiner da. Also ärgert man sich. Dabei gibt es den Humor durchaus auch im Alltag.

Wenn ich ein Schild lese, auf dem ein Dr. Nierstein seine Dienste als Nephrologe, das ist ein Nierenspezialist, anbietet, kann ich schon schmunzeln. Schön ist auch ein Schild in Haidhausen, auf dem man ersucht wird, man möge hier keine Plakate anbringen, und hier hängt tatsächlich kein Plakat. Allerdings hat man das Schild offensichtlich als Einladung zu einer wüsten Schmierorgie missverstanden, die rund um das Schild ihre einschlägigen Spuren hinterlassen hat. Ob die Schmierfinken humoristisch begabte Menschen waren? Jedenfalls bleibe ich für einen vergnügten Augenblick stehen, wenn mir sowas unterkommt. Hoffentlich verfügt auch der Hausbesitzer über ausreichend Humor, obwohl ich verstehen würde, wenn er ihm angesichts dieser ungebetenen „Kunst am Bau“ verginge.

Besser abschmecken geht nicht.

(Foto: Bernhard Huber)

Einmal bin ich nach einer wie gewohnt schmerzhaften physiotherapeutischen Behandlung an der Realschule in Ismaning vorbeigekommen. Eine Seitentür stand sperrangelweit offen, so dass man den innen angebrachten Hinweis recht deutlich lesen konnte: „Fluchttür! Immer geschlossen halten“. Es hat nicht so ausgesehen, dass gerade jemand auf der Flucht gewesen wäre.

Und ein weiteres Mal habe ich in meiner notgedrungen vielgeliebten Münchner S-Bahn folgendes aufgeschnappt. Eine Mutter fuhr mit ihrer Tochter in die Stadt. Das Mädchen zog aus ihrem Schulranzen einen kleinen Plastikbecher heraus, der mit einem Stück Stoff und einem Gummi gut verschlossen war. Luftlöcher in dem Stoff signalisierten: Hier befindet sich ein Kleinstlebewesen in Gefangenschaft. Bald war klar: Bei dem bedauernswerten Geschöpf handelte es sich um einen Marienkäfer, den das Mädchen allerdings liebevoll umsorgte. So versuchte sie vergebens, ihre Mutter dazu zu überreden, ein paar Blattläuse besorgen zu dürfen. Warum? „Damit er es sich richtig gemütlich machen kann.“

Hiermit wird die Frage, woher man den Humor nehmen soll, für gegenstandslos erklärt und zurückgewiesen.