Teil 1 über den Glauben findet ihr hier, Teil 2 über die Hoffnung hier. Wiederum verweise ich passenderweise auf Bild 4 der Impulswerkstatt von Myriade.
Weiterlesen „Liebe – das Zentrum der göttlichen Tugenden“Mein Kini ist ein Niederbayer
Wenn ich Bild 3 der Impulswerkstatt sehe, in dem sogar die bayerischen Farben weiß und blau aufscheinen, sind meine Gedanken sofort bei meinem Kini, den ich schon jahrelang in vierzeiligen Versen bedichte und den man an dem Refrain „Ja schbini, sogd da Kini“ erkennt. Dass es ein, nein der niederbayerische Kini ist, sollte ich vielleicht auch noch vorausschicken.
Schon lange lebe ich als Niederbayer unter Bayern in Oberbayern und habe am 18. Januar 1974 mit einem Gedicht in der Standardsprache meinen ersten dichterischen Gehversuch unternommen. (Es droht also mein 50Jähriges.) Obwohl ich das Schriftdeutsche (manche nennen es noch immer „Hochdeutsch“) bis heute als künstlerisches Ausdrucksmittel bevorzuge, so bekenne ich ebenso bis heute, dass ich ohne den bayerischen Dialekt nicht das schreiben würde, was ich so zusammenschreibe. Ich verdanke dem Dialekt, in dem ich meine Muttersprache erkenne, nichts weniger als mein Gefühl für die Schönheit der Sprache.
Vergleichsweise spät, aber immerhin, habe ich begonnen, auch im Dialekt zu schreiben. Das Wort „Kini” leistet mir dazu hervorragende Dienste. Obwohl es traditionell mit den Wittelsbachern verbunden ist, habe ich es einem Niederbayern zugewiesen. Was jenen recht ist, darf diesen doch billig sein. Natürlich hat mein Kini außer diesem seinem Namen mit den Wittelsbachern nichts gemein, insbesondere nicht das niederbayerische Idiom, dem er sich verpflichtet weiß. Vor allem aber: Er ist ein reiner Reim-Kini, und als solcher einzigartig und unverwechselbar. Ja schbini!
Ihn und nur ihn habe ich in bisher über 1.300 vierzeilige und -hebige jambische sowie paargereimte Strophen gegossen, denen jeweils mit „Ja schbini, sogd da Kini“ ein Kehrvers folgt. (Gute 300 davon sind übrigens als Buch im Turmschreiber Verlag, Husum, jawohl: Husum erschienen.) Diese Form ist striktest einzuhalten. Was immer ich noch vom Kini dichten sollte, ohne diese Form ist ist es kein Kini-Verserl.
Dass mein Kini inzwischen einen Allzeitweltrekord halten dürfte, ist keineswegs hochgestapelt. Sogar das Format des Guinness-Buchs habe ich damit gesprengt, weil mein Schbini-Kini-Rekord kaum brechbar ist.
Die formale Strenge hat natürlich seinen Grund. Die japanischen Haikus waren es, die mir die Bedeutung der Form eines gedichteten Werkes so richtig klar gemacht haben. Die Formstrenge ist nämlich keineswegs beengend. Sie kann sogar zu Wortneuschöpfungen führen, die trotzdem so klingen, als wäre es seit uralter Zeit Teil unseres bajuwarischen Stammeswortschatzes. Ein Beispiel:
Beim Kini kimt s Gmias oiwei frisch
vom Gartn eina aufn Disch,
und a seine Brinznbuam
meng säiwazongne Gäiweruam.
Ja schbini, sogd da Kini.
Jawohl, ich bilde mir ein, dass die „Brinznbuam“ (Prinzenbuben) meine Schöpfung sind. Ohne den Zwang zur Form wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, sie dem Nichts zu entreißen.
Im Laufe der Zeit, da es immer mehr solcher Verserl geworden sind, hatte ich immer wieder Anlass zu solch diebischer Freude, weil ich im Dialekt eine subversive Qualität erkannte, die von ähnlicher Bedeutung ist wie die Philosophie, die zum Ausdruck kommt, wenn ein Bayer die berühmten Worte des Goetheschen Götz von Berlichingen ausstößt, die da lauten: Leck mich usw. Kann doch das Bayerische Wörter in Endreimen zusammenwachsen lassen, die im Standarddeutschen nicht zusammengehören. Das folgende Beispiel dazu enthält im übrigen ein weiteres Wort, das ich mir wohl als Erfindung in mein literarisches Kerbholz schnitzen darf, ich meine den „Kinivadda“ (soviel wie Königpapa):
„Vadda, Vadda, Kinivadda!
Gäh mit mir ins Kaschpaltheater!“
„Es gibt koan Kaschpal fiar an Prinz!
I glaub, es junga Leit, es schbinz.“
Ja schbini, sogd da Kini.
Ähnliches lässt sich für das harmonische Bayerisch-Englisch-Verhältnis sagen, wie ich an gleich zwei (ich hätte sogar noch ein drittes) Verserln demonstrieren möchte, eine Harmonie übrigens, die in keinem geringeren als Anthony Rowley ihren personifizierten Ausdruck findet, der als gebürtiger Brite ein Experte in Sachen bayerischer Dialekt ist:
„Ich weiß, dass Du Geburtstag hast“,
schreibd d Queen vom Buckingham Palast.
„Ich wünsche Dir, verehrter Kini,
happy birthday. Deine Queenie.“
Ja schbini, sogd da Kini.
Erst recht gilt dies für bayerische Wörter, die mir schon so oft ein Reimerlebnis der entzückenden Art beschert haben:
Sogd d Kuni: „Nix do, meinem Schwein
wead neamad ned an Hois obschnein.
Geh weg do, Metzga, mit deim Hagge! [Beil]
De Sau do kenn i scho ois Fagge!“ [Ferkel]
Ja schbini, sogd da Kini.
Dieser Vers steht im Zusammenhang mit den Vorbereitungen auf ein nicht näher bezeichnetes Fest, und Kuni ist Frau Kini.
Was nun die Inhalte anlangt, so folgen die Verse, die unter dem Titel „Sogd da Kini“ zusammengefasst sind, keinem speziellen Konzept. Was immer sich der formalen Vorgabe gemäß dichterisch fixieren lässt und mein schriftstellerisches Gemüt inspiriert, hat allergrößte Chancen auf Aufnahme in den Kini-Kanon:
Da Kini schbuid mim Diener Schach.
Da Diener sogd: „Das i ned lach!
Schaun S, Majestät, jetz setz i glatt
beim Schach mein eigna Kini matt.“
Ja schbini, sogd da Kini.
Wollte man diesen Kini-Kanon kategorisieren, ergäbe sich, Stand heute und freilich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, folgende Liste:
- Der Kini und seine Familie
- Der Kini und sein Schloßgeist Kuno
- Der Kini und Geistesgrößen
- Der Kini und seine Ritterband „The Kinis“
- Der Kini und sein Volk
- Der Kini auf Reisen
Denn auf Reisen ist er auch, aber (bis jetzt) immer nur hoch zu Ross, wenngleich er natürlich als überzeitliches Wesen durchaus auch das automobile Fortkommen kennt.
Natürlich ließe sich die Liste fortführen. Aber das ist nicht meine Aufgabe als Dichter, das wäre die Aufgabe dessen, der einmal den verwegenen Versuch einer Ausgabe des gesamten Kini-Kanons wagen würde. Bis es soweit ist oder auch nicht, stelle ich an Sonn- und Feiertagen jeweils einen Vers unter www.emsemsem.net ins Internet. Unter den Followern weiß ich welche, die speziell dem Kini mit seinem bayerischen Reiz ihre Aufmerksamkeit widmen.
Mit einem Beispiel aus der Abteilung „Der Kini und Geistesgrößen“ möchte ich schließen und damit einem Inspirationshöhepunkt meines Schaffens die Reverenz erweisen:
Da Kini sogd: „Du, Wrdlbrmpfd,
bist moan i gestern schwaar vasumpfd.“
„Stimmt, Kini“, sogd der, „i gibs zua.
Dafia hob i heit aa no gnua.“
Ja schbini, sogd da Kini.
Es ist natürlich kein Zufall, dass ich damit dem (fast unaussprechlichen) Herrn Wrdlbrmpfd eine tragende Rolle in einem Kini-Versal zuweise, verdankt er seine Existenz doch dem erstaunlichen Genie Karl Valentins, der mich mit den Herren Hepperdepperneppi und Rembremerdeng zu dem Namen „Emsemsem“ inspiriert hat, den ich für meinen Blog verwende. (Außerdem ist Emsemsem der Name für eine Figur in meiner SF-Parodie „Globulon nimmt Kurs auf Schröder XIII“, die ich unter dem Namen Carla Cimtinger exklusiv für „Futter“, der „Zeitschrift für Nimmersatte“ verfasst habe. Aber das ist eine andere, ja ganz andere Geschichte, über die wer will unter https://emsemsem.net/carla-cimtinger-ihr-leben-und-werk-in-vollen-auszugen/ mehr erfährt.)
Nachtrag: Wenn ich meine Kini-Versal als „Königlich-Bayerische Reimungen“ bezeichne, darf man das durchaus als Verbeugung vor dem gleichnamigen Amtsgericht verstehen, um das sich unser Zweites Deutsches Fernsehen in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts bleibende Verdienste erworben hat
„Nochn“ (Heinz Erhardt) Nachtrag: Ich bin einmal mit amerikanischen Touristen ins Gespräch gekommen. Es waren ein Mann und zwei Frauen. Ihre Frage, ob ich englisch spräche, beantwortete ich mit einem zurückhaltenden Ja und ergänzte, meine eigentliche „mother language“ sei jedoch „the bavarian slang“. Und schon begann ich ihnen zu erzählen, dass sich beide Sprachen mit ihrem Schwung und ihrem Schmelz (ich sprach von „smooth“) ähnelten. Es versteht sich von selbst, dass ich diese These mit einem Beispiel untermauerte, in dem außerdem der Bezug zu ihrer amerikanischen Heimat offenkundig ist:
„Weilst du milliardenweise spendst
und s Gäid ois Wohltäter verschwendst,
sog i ois Kini dir, Bill Gates,
a ganz a herzlichs Gott vagäits.“
Ja schbini, sogd da Kini.
Die drei ließen mir keine Gelegenheit, ihnen den Sinn dieser für sie unverständlichen Worte zu erklären. Wie aus einem Munde sagten sie nämlich: „It sounds great.“ Und ich wusste: Amerika versteht mich. Und wenn mich Amerika versteht, versteht mich bald die ganze Welt.
Hoffnung – das Sehnen der göttlichen Tugenden
Dies ist der zweite Teil der Advents-Serie. Den ersten Teil über den Glauben findet ihr hier. Auch hier verweise ich auf Bild 4 der Impulswerkstatt von Myriade.
Weiterlesen „Hoffnung – das Sehnen der göttlichen Tugenden“Glaube – die Basis der göttlichen Tugenden
Ich hatte diese Reihe für die Adventssonntage schon früher geplant. Es geht hierbei um die drei göttlichen Tugenden. Am vierten Adventssonntag betrachten wir dann, wie sich die göttlichen Tugenden mit Weihnachten verbinden lassen. Zufälligerweise ist eine Verbindung mit Bild Nummer 4 von Myriades Impulswerkstatt möglich.
Weiterlesen „Glaube – die Basis der göttlichen Tugenden“Eine Freude
Ich glaube, die folgende Geschichte lässt sich gut um die drei Wörter, mit denen zu den abc-Etüden geladen wird, herum erzählen: Horizont, kleinkariert, eintreten
Häuser sind der Horizont einer Großstadt, der zugleich ihre Kulisse fürs Zwischenmenschliche abgibt. Wenn ich morgens aus dem Haus trete, stelle ich mir jedenfalls schon mal vor, in eine Theaterwelt einzutreten, in der mich täglich neu inszenierte, aber altbekannte Dramen mit ihrer bayerischen Mischung aus grantig und herzlich erwarten. Besonders haben es mir die unscheinbaren Ereignisse angetan, die nicht zur Schlagzeile gerinnen. Gerade sie liebe ich wie das tägliche Brot oder, um endlich zu meiner Geschichte zu kommen, wie eine resche Brezn.
Brezn: So sagt man in Bayern zu einer Breze, und der statt die Butter sagt man hier auch, und beides zusammen ergibt einen Hochgenuss namens Butterbrezn.
Deren Zubereitung erfordert einiges Geschick. Das verschlungene Laugengebäck muss schließlich wie eine Semmel durchgeschnitten und gebuttert werden, ohne es zu verletzen. Um dieses Risiko gar nicht erst einzugehen, werden oft gebutterte Laugenkringel angeboten. Nur: Das ist keine Butterbrezn. Daran ändert auch der leutselige Hinweis des Verkaufspersonals, es handle sich um denselben Teig, nichts. Der Unterschied ist offenkundig: Eine Brezn ist wegen ihrer ungleichen Teigdicke unterschiedlich resch, umspielt also den Gaumen mit mehr Geschmacksnuancen als ihre kreisrunde Normvariante. Und überhaupt: Ein Monokel ist auch keine Brille.
Als man mich kürzlich in Dachau und wenig später in München auf die Laugenkringel verwies, als ich eine Butterbrezn nachgefragt habe, habe ich mir, selbst auf die Gefahr, als kleinkariert zu gelten, ein Herz genommen und meine Vorbehalte geschildert. Zu meinem allergrößten Entzücken bin ich auf herzliches Einvernehmen gestoßen, und nicht nur das. Die Verkäuferinnen ließen es sich nicht nehmen, exklusiv für mich eine Butterbrezn anzufertigen. Klar waren das die beiden besten Butterbrezn aller Zeiten für mich. Und klar, dass ich die Damen in mein Nachtgebet eingeschlossen habe. Denn sie haben mir am Ende etwas bereitet, was selbst den größten Hochgenuss toppt: Freude.
Sturm am Abend
Dieser Text passt zu Bild Nummer 2 von Myriades Impulswerkstatt.
Weiterlesen „Sturm am Abend“Das wohlige Gefühl tiefer Freiheit
Meine Ideen haben mich über Bild 1 (Assoziation mit Freiheit) und 2 (Nichtstun, Genießen) von Myriades Impulswerkstatt mitten hinein nach München geweht und dabei auch ein bisschen Bild 4 (See) gestreift. Außerdem kommen die beiden Mosaiksteine zu ihrem Recht. Schließlich steht meine Geschichte noch mit Bild 3 in Verbindung, wenn man an das Ritterturnier denkt, das das Glockenspiel des Münchner Rathausturms neben dem Schäfflertanz täglich vorführt. Mit anderen Worten: Es fehlt nichts.
Weiterlesen „Das wohlige Gefühl tiefer Freiheit“