Nach „Wenn Gorillas plötzlich lachen könnten“ habe ich einen Schimpansen zur Titelfigur einer Parabel gemacht, womit ich noch einmal auf Bild 2 aus Myriades Impulswerkstatt zurückkomme.
In der Zeit, als Bonn provisorische Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland war, wurden zu Bundestagswahlen gelegentlich Plakate geklebt, auf denen über dem Konterfei eines Kandidaten zu lesen war: N.N. für Bonn. Das war ebenso knackig wie banal. Werbung eben. Ich habe daraus den leicht satirischen Titel für meine „Parabel aus nicht vergangener Zeit” abgeleitet: „Ein Affe für Bonn”. Der Name des Affen: Daimler.
Geschrieben habe ich den Text um 1981/82. Nachdem dank Wiedervereinigung aus unserer provisorischen Bundeshauptstadt die endgültige namens Berlin geworden ist, stellte (s)ich mir die Frage, ob ich nicht auch Daimler statt nach Bonn nach Berlin ziehen lassen sollte. Aber ich entschied mich dagegen. Es handelt sich ja genau genommen nicht um eine wirklichkeitsnahe Erzählung, sondern um eine, na klar, Parabel – und Bingo, das war’s! Der Affe für Bonn wurde qua Untertitel zur „Parabel aus nicht vergangener Zeit” er- und ein bisschen auch verklärt.
Darin geht es um einen gewissen Sebastian Buck, dessen Haustier, ein Schimpanse, Daimler heißt. Die Geschichte beginnt mit einer persönlichen Krise:
„Ich hatte damals schon an die zehn Jahre für die Familienzeitschrift Unsere bunte Illustrierte gearbeitet und steckte gerade in einer Krise. Ich war 45 und hielt es für angebracht, einmal Bilanz über mein Leben zu ziehen. Über der Mitte meines Lebens stehend wollte ich mir Klarheit darüber verschaffen, wie es nun weitergehen sollte. Um es kurz zu sagen, ich war ganz einfach unzufrieden mit mir, mit meiner Arbeit, mit meinen Freunden, mit allem. Außer mit Daimler.“
Statt nun in seiner Unzufriedenheit zu versinken, wird Sebastian Buck aktiv.
„Ich hatte einen offenen Brief an den Bundeskanzler verfasst und ihn in Unserer bunten Illustrierten abgedruckt, und zwar in der Rubrik, für die ich zuständig war. An der Stelle, an der die Leser gewöhnlich die Sorgen und Probleme ihrer Mitmenschen von Nah und Fern vorfanden, stand plötzlich ein Text, der mit den Wörtern ‚Lieber Herr Bundeskanzler in Bonn!‘ begann.“
In dem Brief bekommt der Bundeskanzler unmissverständlich zu hören, „dass es höchste Zeit sei, jetzt endlich daran zu gehen, etwas zur Verbesserung des Landes zu tun und nicht immer nur daherzureden in der Hoffnung, die nächste Wahl mit möglichst vielen Stimmen zu gewinnen.“
Schon daran sieht man, wie sehr sich die Zeiten ähneln. Aber wie gesagt, das habe ich Anfang der 80er geschrieben. Zufall also. Zufall?
Natürlich wird Buck entlassen. Aber er verfügt über ein Pfund, mit dem er zu wuchern gedenkt. Die Dreistigkeit, seine Kolumne zur politischen Plattform umzufunktionieren, hat aus ihm, dem unbedeutenden Provinzredakteur, unversehens einen Schlagzeilenpromi gemacht, und als solcher beschließt er, mit Daimler medienwirksam nach Bonn zu ziehen, um im Parlament eine Rede zu halten.
An weitere Einzelheiten erinnere ich mich nicht mehr. Dazu müsste ich die Geschichte erst mal wieder lesen, wovor ich ehrlich gesagt zurückscheue. Jedenfalls stelle ich mir Daimler genauso vor wie den Schimpansen auf Bild 2 der Impulswerkstatt: als schelmisch grinsenden weißen weisen alten Typen. Oder so.
Inzwischen habe ich „Ein Affe für Bonn“ zusammen mit „Niemand gegen Polyphem“, „Puppenfleisch und Marionetten“ und der Horreske „Bruno von Denteck oder: Ich beiße nicht“ zur „Zimtinger Tetralogie“ gebündelt, wobei mit Zimting eine geografische Enklave meiner Phantasie auf dem Flecken Erde gemeint ist, den man Bayern nennt.