Ich bin Donald Ducks Double

Ich bin seit jeher enthusiastischer Comic-User, von lesen will ich nicht sprechen. Denn ich tauche viel lieber hinein in diese Welt voller Sprech- und Denkblasen, voller Stabreime und voller absurder Lautmalereien. So war meine Karriere als Strichmännchen-Double, was auch sonst: vorgezeichnet.

Dabei darfst du nicht zimperlich sein, obwohl du quasi im Ehrenamt arbeitest. Comic-Stunts haben es nämlich in sich. Havarien der halsbrecherischsten Art, ob über, auf oder unter der Erde, sind an der Tagesordnung. Im Gegensatz dazu sind die ach so riskanten Abenteuer des Raumschiffs Enterprise die reinsten Lachnummern. Verdienen tut man dabei nicht schlecht, ganze Geldspeicherfüllungen. Aber was kannst du mit den Unmengen an diesen Kreuzern und Talern, ob papieren oder gemünzt, schon anfangen? Nichts. Außer darin schwimmen vielleicht, eine klimpernde Angelegenheit, und von Kopfsprüngen in einen derart zugemünzten Pool ist dringend abzuraten. Ich hab’s probiert, aus beruflichen Gründen, und beschlossen: Fantastilliardär Dagobert double ich nicht noch einmal.

Als Donald Ducks Double habe ich sowieso genug zu tun. Wenn sich der mal wieder wie so oft seinen Schnabel verbrannt hat oder wie noch öfter in seiner Hängematte unabkömmlich ist, bin ich als Pechvogeldouble die ideale Besetzung. Dabei würde ich zur Abwechslung liebend gerne mal den Gustav Gans doubeln. Aber der übersteht selbst die aberwitzigsten Szenen ohne Kratzer. So ein unverschämter Glückspilz ist der Ruin für jedes Double.

Immerhin hat man mich einmal als Römer gecastet, weil Obelix in seinem Übereifer außerplanmäßig einen zu viel verschlissen hat. Im Rückblick muss ich allerdings sagen: Lieber hechte ich ohne Badekappe in die Münzen eines bis zum Platzen gefüllten Geldspeichers als dass ich mich noch einmal mit Helm, Lanze und Brustpanzer von diesem spinnerten Gallier vermöbeln lasse. Selbst der Schatten Lucky Lukes lebt weniger gefährlich.

Das Lieblingsspielzeug der Hölle

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Das Salz in der Buchstabensuppe

Ich war nie ein enthusiastischer Leser, Lesen war mir sogar immer ein wenig suspekt. Mit Lesen meine ich vor allem dieses Geschmökere nach dem Motto „Masse macht Klasse”. Schon als Kind leuchtete mir nicht ein, warum ich etwas lesen sollte, was ein mir unbekannter XY irgendwo und irgendwann schriftlich von sich gegeben hat. Illustrierte Bücher sind mir bis heute allemal lieber als jede noch so opulente Papierstulle, selbst wenn sie sich Bestsellerlisten hochstrampeln. Für mich gilt: Illustrationen sind das Salz in der Buchstabensuppe. Insofern: Hut ab vor Kinderbuchautoren!

Im Prinzip lese ich schon länger keine Bücher mehr, ich lese lieber in ihnen. Insbesondere mit dem, was als „Roman“ daherkommt, habe ich einfach Probleme. Figur, Funktion und Fiktion des alles- und besserwissenden Erzählers, der im und aus dem Off seines oft undurchsichtigen Amtes waltet, sind es vor allem, die mir das bereitwillige Eintauchen in die literarische Illusion nicht selten verleiden.

Trotzdem habe auch ich meine Romanfavoriten, denen ich den Erzähler abnehme: „Humphry Clinkers Reise“ von Tobias Smollett, „Lebensansichten des Katers Murr“ von E.T.A. Hoffmann, „Leben und Ansichten von Tristram Shandy. Gentleman“ von Laurence Sterne, „Leben. Gebrauchsanweisung” von Georges Perec, „Fußreise“ sowie sämtliche Märchen von H.C. Andersen. Außerdem schätze ich P.G. Wodehouse schon alleine des Humors wegen. Dennoch gilt mein aktuelles Leseinteresse vor allem der Kürze in Form von Aphorismen und Lyrik sowie philosophisch-theologischen Schriften, aber eben nicht „Büchern”.

Vielleicht habe ich im Laufe meines Lebens zu viele Bücher gelesen. (Dochdoch, werte Bildungsbeflissene, das ist durchaus möglich.) Lange habe ich im Ehrenamt als Rezensent für einen Büchereifachverband gearbeitet. Da galt es Buch um Buch zu lesen, ja zu verschlingen, weil immer eine Frist einzuhalten war. Da vergeht einem irgendwie das Genießen. Dennoch möchte ich diese Tätigkeit nicht missen. Und wie gesagt: In Büchern lese ich weiterhin mit großem Behagen.