Die traurige Ballade von Hellentbrand, dem edlen Ritter

Hellentbrand, der edle Ritter,
ritt auf seinem Pferd fürbass.
Auf dem Kopf der Helm wog schwer,
und er dachte dies und das.

Mondlicht stürzte hell zur Erde,
tausend Sterne standen hoch.
Hellentbrand war müden Sinnes
und die Rüstung hatt' ein Loch.

Denn er kam aus hartem Kampfe!
Blutdurchflossen war die Schlacht.
Hieb für Hieb trennt' Köpf' und Rümpf' er
und bracht' Feinden Tod und Nacht.

In der kühlen Kemenate
Fräulein Rita unterdes
wartete auf den Geliebten
ihrer Pflicht als Braut gemäß.

"Hellentbrand! Ach, Hellentbrand!
Liebster, wärst du doch bei mir!"
Und des Fräuleins Aug' erbebte,
eine Träne trat herfür.

Auch des kühnen Hellentbrandens
Herz ward voller Sehnsucht schwach.
"Rasch zu Riten!" war sein Trachten
nach des Kampfes Ungemach.

Rita! Rita! Holde Schöne!
Dich will Hellentbrand zum Weib!
Dir zuliebe hat er nur
sich im Kampf gestählt den Leib!

Doch die Zeit, die zog sich hin.
Zur Minute ward Sekunde,
von der Sehnsucht weit gedehnt.
Seufzen drang aus beider Munde.

Und der Schläfrigkeit zum Trotz
ritt er wie der Teufel schnell.
Wollte schier die Zeit einholen!
Hellentbrand entbrannte hell.

Den geliebten Bräutigam
fühlte Fräulein Rita nah'n.
So sie füllte für den Ritter
heißes Wasser in die Wann',

dass er sich vom Kampf erhole
und vom Leib den Dreck sich bürst'.
Heim soll kommen Hellentbrand
und sich fühlen wie ein Fürst!

Doch das Wasser wurde kalt.
Hellentbrand, o tapf'rer Held!
Warum lässt du Riten warten,
die dich mehr liebt als die Welt?

Da erscholl vom Burgestor
Pferdewiehern hell und klar!
"Hellentbrand!", rief Fräulein Rita.
"Endlich, endlich bist du da!"

Aber ach! Alleine stand
vor dem Tor des Ritters Ross.
Ritas Herz ward jäh zerbrochen,
viele Tränen sie vergoss.

Pferd und Sattel ohne Reiter?
Wo war Ritter Hellentbrand?
Nah' dem Burgbach, nah' dem Ziel,
ward vom Schlaf er übermannt.

So er fiel vom Pferderücken
mitten in des Baches Braus,
wo er kraftlos liegenblieb,
und das Pferd ritt leer nach Haus'.

Und des Ritters Eisenkleide
war alsbald von Wasser voll,
welches durch das Loch vom Kampfe
stetig in die Rüstung quoll.

Unaufhaltsam floss es weiter
in die beiden Lungenteile.
Dieses Wasser ward - o weh! -
Hellentbranden nicht zum Heile.

Er ertrank in dieser Flut,
die für ihn bestimmt zum Grab.
Hier im Rinnsal schloss sein Leben,
das ihm viele Siege gab.

Fräulein Rita aber leerte
weinend in den Burgkanal
Hellentbrandens Badewanne.
Groß war ihrer Seele Qual.

Jedoch dieses Badenass
floss ins Freie, wo es sich
mit des Baches Wasser mischte,
in dem Hellentbrand verblich.

Noch im Tode spürt' die Seele
uns'res heldenhaften Ritters
durch das warme Badewasser
inniglich die Liebe Ritas.

Die Hochzeitsglocken von Las Vegas

Obwohl sie lebt, ist die Wüste ist bekanntlich eine eher unwirtliche Gegend. Niemand käme auf die Idee, hier, wo sich Klapperschlange und Skorpion Gute Nacht sagen, ein Spielcasino zu eröffnen. Es sein denn, man baut gleich eine komplette Stadt darum herum. Dann brummt der Laden, wie man an Las Vegas sieht. In den Sand der Wüste von Nevada gesetzt, lockt diese auf spektakuläre Shows und Glücksspiel spezialisierte Metropole vergnügungsselige Touristen aus aller Herren Länder an. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten findet hier seinen schillerndsten Ausdruck.

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Emsemsem erzählt wieder mal, und zwar wieder mal Blödsinn

In die Jahre gekommen, hub Emsemsem der Jüngere wieder mal an zu erzählen, und wieder mal erzählt er von einer Zeit, die er erlebt hat, als er nicht nur dem Namen nach jünger war.
Damals war es, als die Menschen nichts Besseres zu tun hatten als Geld zu machen. Denn Geld war ihnen heilig, und was einem heilig ist, danach trachtet man und betet es an. Dabei entwickelten sie erstaunliche Fertigkeiten, so dass sich niemand wunderte, als eine Tafel Schokolade statt einszweioderdrei über Nacht plötzlich zehn kostete. Für eine Banane wurden sogar mehrere Millionen abgecasht.

Weil in den Banken bald kein Platz mehr war, stapelten Menschen ihr Geld statt auf Konten vor ihren Häusern, wo es wuchs und gedieh und bald die Skylines der Städte überwucherte. Darüber breiteten sie Umhänge aus dem Fundus eines berühmten Verpackungskünstlers, die aber, obwohl sie wetterfest und sogar diebstahlsicher waren, kaum Schutz boten vor dem unter dem Namen Inflation bekannten Schwund.

Genau jetzt begann die Ära der Bargeldlosigkeit, und damit das das Ende von Arm und Reich. Denn jetzt musste sich keiner mehr verhuscht an die allgegenwärtigen Geldstapel wanzen, in der Hoffnung auf herumliegendes und -fliegendes Geld. Man sagte beim Aldidl einfach „Mit Karte”, und die Kasse klingelte, es sei denn, es gab wegen Dunkelflaute keinen Strom. Das passierte, wenn die Politik vergessen hat vorzusorgen und zu viele Menschen auf einmal wie Märchenwesen vor dem Spiegel vor dem Computer saßen, um auf der Suche nach der finalen Schönheit zu inflünzen oder inflünzt zu werden.

Ja, sowas erzählte Emsemsem der älter werdende Jüngere. Er konnte sich das leisten, weil er der Spross einer Seitenlinie der furchtbar berühmten und, man kann es nicht anders sagen, sch...teinreichen Strichmännchenaristokratie war, die ein gewisser Jederweder dereinst begründet hat. Gott hab ihn, was sonst, selig!