Ehrenamt, enthusiastisch, lesen: So lauten die drei Wörter, die dieses Mal die Teilnahme an den abc-Etüden ermöglichen, sofern sie sich in einem Text von nicht mehr als zweihundersiebenundneunzig weiteren unterbringen lassen.
Ich war nie ein enthusiastischer Leser, Lesen war mir sogar immer ein wenig suspekt. Mit Lesen meine ich vor allem dieses Geschmökere nach dem Motto „Masse macht Klasse”. Schon als Kind leuchtete mir nicht ein, warum ich etwas lesen sollte, was ein mir unbekannter XY irgendwo und irgendwann schriftlich von sich gegeben hat. Illustrierte Bücher sind mir bis heute allemal lieber als jede noch so opulente Papierstulle, selbst wenn sie sich Bestsellerlisten hochstrampeln. Für mich gilt: Illustrationen sind das Salz in der Buchstabensuppe. Insofern: Hut ab vor Kinderbuchautoren!
Im Prinzip lese ich schon länger keine Bücher mehr, ich lese lieber in ihnen. Insbesondere mit dem, was als „Roman“ daherkommt, habe ich einfach Probleme. Figur, Funktion und Fiktion des alles- und besserwissenden Erzählers, der im und aus dem Off seines oft undurchsichtigen Amtes waltet, sind es vor allem, die mir das bereitwillige Eintauchen in die literarische Illusion nicht selten verleiden.
Trotzdem habe auch ich meine Romanfavoriten, denen ich den Erzähler abnehme: „Humphry Clinkers Reise“ von Tobias Smollett, „Lebensansichten des Katers Murr“ von E.T.A. Hoffmann, „Leben und Ansichten von Tristram Shandy. Gentleman“ von Laurence Sterne, „Leben. Gebrauchsanweisung” von Georges Perec, „Fußreise“ sowie sämtliche Märchen von H.C. Andersen. Außerdem schätze ich P.G. Wodehouse schon alleine des Humors wegen. Dennoch gilt mein aktuelles Leseinteresse vor allem der Kürze in Form von Aphorismen und Lyrik sowie philosophisch-theologischen Schriften, aber eben nicht „Büchern”.
Vielleicht habe ich im Laufe meines Lebens zu viele Bücher gelesen. (Dochdoch, werte Bildungsbeflissene, das ist durchaus möglich.) Lange habe ich im Ehrenamt als Rezensent für einen Büchereifachverband gearbeitet. Da galt es Buch um Buch zu lesen, ja zu verschlingen, weil immer eine Frist einzuhalten war. Da vergeht einem irgendwie das Genießen. Dennoch möchte ich diese Tätigkeit nicht missen. Und wie gesagt: In Büchern lese ich weiterhin mit großem Behagen.


