Gruppenzwang in der Gesellschaft

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Der Gruppenzwang in der Gesellschaft wird schon früh geübt. selbst bei Kindern sieht man sich gewissen Zwängen ausgesetzt. Bei Geburtstag werden Geburtstagsfeiern ausgerichtet, an Klassenfahrten und Ausflügen sollte man teilnehmen und vieles andere. Das ändert sich dann auch im Laufe der Jahre. Es wird erwartet, dass man Alkohol trinken muss/sollte bei bestimmten Anlässen, sonst wird man schon schief angesehen. Oder aber auch dass man seinen Urlaub in fremden Ländern verbringen sollte, um mitsprechen zu können: Je exotischer, desto besser. Aber: Ist dieser Gruppenzwang wirklich sinnvoll? Oder ist es nur eine Art des Konkurrenzkampfes bzw. der Statusanzeige innerhalb der Gesellschaft?

Es braucht schon einiges an Selbstbewusstsein, um zum Beispiel bei einer Party einen Drink auszuschlagen. Und selbst dann muss man sich rechtfertigen, warum man keinen Alkohol möchte. Die Gründe dafür mögen ja vielseitig sein: Man möchte noch Auto fahren, man ist schwanger, man ist anonymer Alkoholiker oder verträgt bzw. will einfach keinen Alkohol trinken. Manche Gründe werden ohne zu Fragen akzeptiert, aber wenn jemand keinen Alkohol trinken möchte, so wird eine ganze Weile damit verbracht, diesen umzustimmen.

Dies ist aber nicht nur bei diesem Beispiel so. Dafür gibt es noch viele andere. Unsere Gesellschaft baut sich unter anderem auf dem Freiheitsgedanken auf. Vieles wird akzeptiert wie gleichgeschlechtliche Paare oder anderes. Doch hier ist noch viel Aufholbedarf. Gruppenzwang ist sogar auch Forschungsthema (siehe Focus-Artikel). Sie haben unter Anderem das Gebiet der Musik erforscht:

Wie die beteiligten Forscher im Fachmagazin „Science“ berichteten, orientierten sich sehr viele Probanden in ihrem Urteil über unbekannte Songs daran, wie häufig diese von anderen Usern der betreffenden Web-Plattform heruntergeladen worden waren. In anderen Worten: Wir mögen Musik, die auch andere gern hören.

Focus vom 15. Mai 2008

Selbst die Welt stellt fest, dass schon Zweijährige sich dem Gruppenzwang unterordnen. Das liegt unter anderem an unserem sozialen Wesen, denn wir wollen auch den anderen gefallen und haben Angst, der Mehrheit zu widersprechen:

„Konformität spielt im menschlichen Sozialverhalten eine zentrale Rolle“, sagt Haun. „Sie grenzt verschiedene Gruppen voneinander ab und hilft ihnen dabei, ihre Aktivitäten zu koordinieren.“ Damit fördert und stabilisiert sie Gruppen – was gut sein kann, aber natürlich auch Gefahren in sich birgt.

Welt

Die Gefahr, dass die Persönlichkeiten darunter leiden ist die eine Sache, die andere ist, dass auch die Außenstehenden dann ausgegrenzt oder im schlimmsten Fall unterdrückt werden. Selbst in der Arbeit gibt es einen Gruppenzwang, doch dieser kann nicht nur nützlich sein. Dies hat man durch ein Experiment verdeutlicht (Quelle: Arbeits-Abc). Aus vier verschiedenen Linien sollten zwei gleich lange Linien gefunden werden. Das Problem: Andere Probanden waren dazu angehalten, bewusst falsche Antworten zu geben. Das führte zu folgendem Ergebnis:

Die Ergebnisse sind wenig überraschend: Drei Viertel der Testpersonen gaben dem Gruppendruck nach und nannten ebenfalls die falsche Antwort. Hierfür wurden zwei Hauptgründe ausgemacht:

1. Informationelle Konformität: Die Probanden waren davon überzeugt, dass die Gruppenmeinung die richtige sein müsse, zumal so viele Personen nicht falsch liegen könnten. Sie ließen sich demnach durch die Gruppe von der falschen Antwort überzeugen. Der Proband hat also sein Verhalten und seine Meinung geändert.

2. Normative Konformität: Die Probanden waren sich der Falschheit ihrer Antwort durchaus bewusst, doch die Angst vor der Reaktion der Gruppe überwog. Der Proband hat also sein Verhalten, nicht aber seine Meinung geändert.

Diese beiden Arten der Konformität lassen sich auch im Berufsleben vermehrt beobachten. Das kann dazu führen, dass sich einzelne Mitarbeiter nicht trauen, eigene und kreative Ideen hervorzubringen. Auch ist es möglich, dass sich keiner der Mitarbeiter der Führungspersönlichkeit – sei es der Vorgesetzte oder eine Autorität innerhalb ihrer Gruppe – zu widersprechen traut und dadurch mitunter Fehler gemacht oder Chancen verpasst werden. Die Schwarmintelligenz, welche sich in einem Team eigentlich durch die Heterogenität der Gruppe ergeben sollte, wird so durch die Konformität zunichtegemacht.

Quelle: Arbeits-Abc

Daher ist der Gruppenzwang sowohl privat als auch beruflich nicht immer förderlich. Dadurch wird weder die Persönlichkeit noch die Intelligenz oder Kreativität gefördert. Dies kann dann auch negative Folgen in der Arbeitswelt haben. Daher sollten wir uns vom Gruppenzwang nicht allzu sehr leiten lassen und auch mal den Mut haben, sich gegen die Gruppe zu entscheiden. Die Gruppe sollte das dann unterstützen, indem sie es entweder akzeptiert (zum Beispiel privat auf der Party) oder die Ergebnisse in der Arbeit noch einmal genauer prüft.

Ein Gedanke zu “Gruppenzwang in der Gesellschaft

  1. Ich habe den Eindruck, dass der Druck zur Konformität weltweit zunimmt. Das erkennt man schon daran, dass das Wort „Gleichstellung” so unkritisch verwendet wird. Dabei ist es von einer Aura verordneter Konformität umweht. Ob eine Gesellschaft, die darauf baut, wirklich frei, plural und tolerant ist?

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