Mit den Waffen einer Mutter

Es gibt Zimmerwirtinnen, die ihrem Untermieter gegenüber, vor allem wenn es ein Student ist, ein mütterliches Verhalten an den Tag legen. Dabei schrecken sie bisweilen sogar vor raffinierter Hinterlist nicht zurück, wenn sie glauben, ihm eine Lehre in Sachen Benimm erteilen zu müssen.

Eines Tages klopft so eine mütterliche Zimmerwirtin an die Tür ihres Schützlings, um ihm einen Apfel anzubieten, den sie, verzehrfertig geschnitten, auf einem Tellerchen angerichtet hat. Der Student sagt nicht nein, und sogleich zermalmen seine Kiefer den Apfel zu Mus.

Als nichts mehr übrig ist, fragt sie ihn, ob denn der Apfel geschmeckt habe. Wieder sagt der Student nicht nein, nicht zuletzt deshalb, weil er es im Traum nicht für möglich hält, dass seine Zimmerwirtin gerade im Begriff ist, von den erzieherischen Waffen einer Mutter Gebrauch zu machen, ihn kurzum hereinzulegen.

Doch genau das tut sie. Weil sie merkt, dass ihr Plan aufgegangen ist, lässt sie sogar ein wenig Triumph in ihrer Stimme mitschwingen, als sie tadelnd sagt: „Das war der Apfel, den Sie gestern weggeworfen haben.“
Ob die Wirtin den Studenten damit zu einer dauerhaften Änderung seines leichtsinnigen Verhaltens bewogen hat, kann ich leider nicht sagen. Aber ich wette, sie hat.

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