Humor im Alltag

Man solle das Leben mit Humor nehmen, sagt man, dann ließe es sich leichter ertragen. Das will ich gerne glauben. Nur: Wo soll ich den Humor hernehmen? Ich könnte schon am Morgen eine gehörige Portion davon brauchen, wenn mich der Wecker aus dem Schlaf reißt. Oder wenn ich mich der S-Bahn anvertraue, deren Zuverlässigkeit sich in einem Wort zusammenfassen lässt: Verspätung. Kurz und gut: Wenn man dringend etwas Humor braucht, ist keiner da. Also ärgert man sich. Dabei gibt es den Humor durchaus auch im Alltag.

Wenn ich ein Schild lese, auf dem ein Dr. Nierstein seine Dienste als Nephrologe, das ist ein Nierenspezialist, anbietet, kann ich schon schmunzeln. Schön ist auch ein Schild in Haidhausen, auf dem man ersucht wird, man möge hier keine Plakate anbringen, und hier hängt tatsächlich kein Plakat. Allerdings hat man das Schild offensichtlich als Einladung zu einer wüsten Schmierorgie missverstanden, die rund um das Schild ihre einschlägigen Spuren hinterlassen hat. Ob die Schmierfinken humoristisch begabte Menschen waren? Jedenfalls bleibe ich für einen vergnügten Augenblick stehen, wenn mir sowas unterkommt. Hoffentlich verfügt auch der Hausbesitzer über ausreichend Humor, obwohl ich verstehen würde, wenn er ihm angesichts dieser ungebetenen „Kunst am Bau“ verginge.

Besser abschmecken geht nicht.

(Foto: Bernhard Huber)

Einmal bin ich nach einer wie gewohnt schmerzhaften physiotherapeutischen Behandlung an der Realschule in Ismaning vorbeigekommen. Eine Seitentür stand sperrangelweit offen, so dass man den innen angebrachten Hinweis recht deutlich lesen konnte: „Fluchttür! Immer geschlossen halten“. Es hat nicht so ausgesehen, dass gerade jemand auf der Flucht gewesen wäre.

Und ein weiteres Mal habe ich in meiner notgedrungen vielgeliebten Münchner S-Bahn folgendes aufgeschnappt. Eine Mutter fuhr mit ihrer Tochter in die Stadt. Das Mädchen zog aus ihrem Schulranzen einen kleinen Plastikbecher heraus, der mit einem Stück Stoff und einem Gummi gut verschlossen war. Luftlöcher in dem Stoff signalisierten: Hier befindet sich ein Kleinstlebewesen in Gefangenschaft. Bald war klar: Bei dem bedauernswerten Geschöpf handelte es sich um einen Marienkäfer, den das Mädchen allerdings liebevoll umsorgte. So versuchte sie vergebens, ihre Mutter dazu zu überreden, ein paar Blattläuse besorgen zu dürfen. Warum? „Damit er es sich richtig gemütlich machen kann.“

Hiermit wird die Frage, woher man den Humor nehmen soll, für gegenstandslos erklärt und zurückgewiesen.

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