Die Rolling Stones für Nullkommanix

Die Rolling Stones gehören zweifellos zum Inventar der Rockmusik. Trotzdem werden auch ihnen die Karten für ihre Tourneen nicht gerade aus den Händen gerissen, kein Wunder, wenn man liest, dass dafür an die tausend Dollar verlangt werden – regulär und nicht auf dem Schwarzmarkt.

So schön waren Konzertkarten einmal.

Ich gehöre zu denen, die sie einmal live gesehen und gehört haben, und zwar am 11. Juni 1982 im Münchner Olympiastadion. Außerdem gehöre ich zu denen, die dafür 0,00 (in Worten Nullkommanix) zahlen mussten, und das kam so.

Ein Hörfunk-Sender des Bayerischen Rundfunks (Bayern 2 oder 3) hatte damals Freikarten zu vergeben, was er allerdings von einer eigenartigen Bedingung abhängig machte: Man sollte einen vierzeiligen Vers dichten. Da mir das Verseschmieden schon damals nicht ganz fremd war, hatte ich recht rasch die erforderlichen vier Zeilen auf einer Postkarte notiert, die ich unverzüglich abschickte. Zwei oder drei Tage später fand sich prompt ein Kuvert der BR-Abteilung „Leichte Musik“ im Briefkasten, das die „Mit besten Empfehlungen“ übersandten Karten enthielt.

Das Konzert habe ich bis heute in bester Erinnerung. Es war erstens einmal eine gute Gelegenheit für mich als Student, meine jetzige Frau richtig groß auszuführen. Außerdem staune ich bis heute darüber, welche Präsenz diese Band von der ersten bis zur letzten Sekunde auf der Bühne zeigte. Dabei war das Vorprogramm auch nicht gerade von Pappe. Neben der damals ganz gewaltig angesagten Band J.Geils Band trat Peter Maffay auf, der eine durchaus beeindruckende Show hinlegte, obwohl ihn das Publikum, das in ihm den Schlagerfuzzy sah, anfangs nicht gerade willkommen hieß. Als aber der Veranstalter, der verstorbene Fritz Rau an die Toleranz der Versammelten appellierte, konnte sich Maffay durchaus Respekt verschaffen. Aber dann kamen die Stones, die von der ersten Sekunde an souverän klar machten, wem der Abend gehörte.

Ich habe das Konzert allerdings auch deshalb nicht vergessen, weil es ganz schön laut war. So laut, dass sich mein rechtes Ohr noch Tage danach etwas pelzig anfühlte, weshalb ich Rockkonzerte seither meide. Schließlich will ich außer Rockmusik auch noch andere akustische Signale aus meiner Umwelt wahrnehmen.

Ach ja, der Vierzeiler, dem ich das alles verdankte, lautet im bayerischen O-Ton:
De rollenden Stoana
kemman auf Minga.
Und kriag i koa Kartn,
dann daad a ma stinga.

Hinweis für Nichtbayern: Die Schlagwörter bieten eine kleine Übersetzungshilfe.

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