Schreibeinladung Woche 47-48

Ich bin einer weiteren Schreibeinladung von Christiane gefolgt. Die Wortspende stammt dieses Mal von redskiesoverparadise. Es geht darum 3 Begriffe in einem Text von maximal 300 Wörtern zu verarbeiten. Es sind Unbehaustheit, schwermütig und haschen. Ich hatte die Idee, über die Wohnungsnot in München zu schreiben, wobei das nur ein Beispiel ist, da die Wohnungsnot in vielen anderen deutschen Großstädten ähnlich aussieht.

Textwoche 47-48: Schreibeinladung
Von Christiane: https://wordpress.com/read/blogs/73659001/posts/7649

Wohnungsnot in München

Paul warf noch einmal einen schwermütigen Blick in seine Wohnung. Er musste sie räumen wegen Eigenbedarfs seines Vermieters. Wo sollte er jetzt hin? Eine andere Wohnung war trotz größter Mühe nicht aufzutreiben. Auch Freunde oder Verwandte konnten ihm nicht helfen, da diese selbst ziemlich beengt wohnten. Er dachte über seine Unbehaustheit nach und merkte, wie sich eine ganze besondere, neue Erkenntnis in seiner inneren Leere breit machte: Ich bin jetzt obdachlos.

Sollte er zu den Obdachlosen an der Isar gehen? Die würden ihre Plätze unter den Brücken verteidigen und selber so etwas wie Eigenbedarf geltend machen. Jedoch waren die Bedingungen dort nicht optimal, wenn er an die vielen Süchtigen dort dachte, die entweder viel tranken oder haschten. So stellte er sich das Leben unter der Brücke vor. Er könnte eine Weile in einem Hotel logieren. Etwas Geld hatte er. Diese Option zog er aber nur ungern in Betracht. Das Geld wäre ja doch bald aufgebraucht, und was dann? Er wollte zudem ein richtiges Zuhause. Immerhin konnte er zwei, drei weitere Wohnungsbesichtigungen für heute vereinbaren. Aber große Hoffnung hatte er nicht. Da er alt, alleinstehend und Rentner war, wurde er bisher immer abgelehnt. Die Chance auf eine Zusage war demnach sehr gering.

Da läutete sein Handy. Sein Bruder rief an und meinte, er solle zu ihm kommen. Für eine Weile ginge das schon. Sie müssten halt improvisieren und ein wenig zusammenrücken. Der Vermieter hatte gestern zugestimmt. Nun galt es hoffentlich doch noch eine Wohnung zu finden. Zunächst war er wenigstens nicht auf der Straße.

Nach ein paar Wochen entpuppte sich dieser Vermieter als wahrer Engel. Insgeheim setzte er Paul auf die Liste der Interessenten für eine frei werdende Wohnung. Tatsächlich konnte er Paul bald ein Angebot machen.

Wörter: 286

9 Gedanken zu “Schreibeinladung Woche 47-48

  1. Ja, selbst im (hohen) Alter ist man als Mieter gegen Eigenbedarf meist chancenlos:

    „Das hohe Alter des Mieters allein stellt keinen Härtefall dar, der den Mieter in besonderem Maße vor einer Eigenbedarfskündigung schützt (vgl. AG Bayreuth, Urteil vom 21.09.1989 – 4 C 78/89). Nur wenn weitere erschwerende Umstände wie z.B. Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Verwurzelung in der Umgebung hinzutreten, kann ein Härtefall angenommen werden (vgl. auch die Stichpunkte „Krankheit“ und „Verwurzelung in der Umgebung“).“

    (zitiert aus http://www.mietrecht.org )

    Das kann so manches Leben zerstören!

    Gefällt 3 Personen

  2. Liebe Monika, dein Link zu mir war falsch (der führt auf den Reader, das klappt nie), ich habe von deiner Etüde nichts mitbekommen – wenn ich nicht herbeigerannt komme, nachdem du sie veröffentlicht hast, dann ist es dringend notwendig, dass du den Link noch mal in den Kommentaren bei mir nachträgst, ja, machst du? Im nächsten Jahr …
    Wichtiges Thema, das du ansprichst. Wir sind wieder da, dass man sich auf die Menschlichkeit seiner Mitmenschen verlassen muss, sonst ist man verlassen. Bedenklich, eigentlich sollte der Staat zumindest zum großen Teil diese Aufgaben übernehmen …
    Liebe Grüße am Abend
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Christiane, danke dir für deinen Hinweis. Ich habe gar nicht mitbekommen, dass es nicht funktioniert. Soll ich den Link jetzt noch bei dir Posten? Im nächsten Jahr weiß ich Bescheid.
      Ja es ist leider nicht einfach. Die Wohnungssuche ist nur ein Beispiel von vielen, leider.
      Liebe Grüße auch dir.
      Monika

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Fazit Textwochen 47.48.19, willkommen Adventüden! | Irgendwas ist immer

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