Alles hat seinen (versalzenen) Preis

Sokrates soll angesichts des umfänglichen Warenangebots in Athen verwundert ausgerufen haben, wie viele Dinge es doch gebe, die er gar nicht brauche. Nun, das antike Griechenland ist weit weg, aber das heutige Warenangebot würde Sokrates nicht weniger in Staunen versetzen. Doch weil der schon lange nicht mehr lebt, besorge ich das für ihn. Ich staune allerdings weniger über die Dinge, die angeboten werden, sondern darüber, dass sie, was immer sie kosten, auch gekauft werden. Es ist, als würden die Käufer ignorieren, dass sie es sind, die am anderen Ende der Wertschöpfungskette rackern, schuften, malochen, kurz früh aufstehen und arbeiten: das Geld verdienen müssen.

Ich nehme Euch gerne mit auf einen kleinen Schaufensterbummel rund um die Fußgängerzone in München, der zwar schon ein paar Jahre zurück liegt, aber immer noch bestens illustriert, was ich meine.

Fangen wir mit den Juwelieren an, von denen es hier auffallend viele gibt. Wer auf eine Armbanduhr zu einem fünfstelligen Preis aus ist, muss also nicht lange suchen. In jeder Beziehung größeren Seltenheitswert haben diese Herrenhalbschuhe, die für einen Besitzerwechsel den Besitzerwechsel von 4.900,00 (in Worten: viertausendneunhundert!) € voraussetzen. (Den Laden gibt es heute nicht mehr. Statt dessen hat die Marke „Karl“, womit Lagerfeld gemeint ist, hier Unterschlupf gefunden. Aber die schenkt einem auch nichts.) Deutlich niedriger, aber auch nicht von Pappe, ist der Preis für eine Geldbörse, den sich dieser Laden für Luxusgepäck und -accessoires vorstellt: 315,00 €.

Aber Preise beeindrucken nicht nur in ihrer mehrstelligen Form. Auch 3,90 € kann ein ge-, um nicht zu sagen versalzener Preis sein, wenn er für 250 ml eines taurinhaltigen, also mit Ochsengallesekret angereicherten Gebräus, das unschuldige Nasen im Umkreis von zehn Metern in höchste Alarmbereitschaft versetzt, zu entrichten ist. Wer dennoch nicht verzichten will, dem sei zur geschmacklichen und finanziellen Abrundung ein Abstecher zum Viktualienmarkt empfohlen. Hier gibt es eine knusprig gebratene Schweineschwarte, die aus nichts als Schwarte besteht und trotzdem für 2,65 € je 100g zu haben ist.

Ich hoffe, damit Sokrates alle Ehre gemacht zu haben und darf mich empfehlen, jedoch nicht ohne nachzutragen, dass die Teilnahme an einem Konzert der Rolling Stones 800 US-Dollar kosten soll, inklusive der Lizenz zu tätiger Mitwirkung durch Johlen, Pfeifen, Singen, Applaudieren. Wie Mike Krüger, der Sokrates unserer Tage, so richtig erkannte: „Wenn man was erleben will, dann darf man nicht sparen.“ Besser hätte es selbst Sokrates nicht sagen können.

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