Im Tante Emma Laden wär das nicht passiert

Wir halten dem stationären Einzelhandel wacker die Treue, während wir der digitalen Warenwelt des Internets eine grundsolide Skepsis entgegenbringen. Außerdem ist das Einkaufenmüssen immer auch ein willkommener Anlass, ein wenig durch die Stadt zu flanieren.

Als meine Frau Bedarf nach einer wärmenden Kopfbedeckung anmeldete, war es wieder einmal so weit. In der Erwartung, einen schnellen Kauf tätigen zu können, begaben wir uns in ein Kaufhaus, das schon einmal bessere Tage gesehen hatte. Es gehörte zu einer Kette, deren Name mit „K“ anfängt und die mit einer anderen ebenfalls mit einem „K“ beginnenden Kaufhauskette fusionieren muss.

Nach kurzem Prüfen und Wägen hat sich meine Frau für eine ebenso schlichte wie schmucke Mütze mit Bommel entschieden. Allerdings war es nötig, beim Personal wegen des Preises nachzufragen. Die Mütze war nicht nur nicht ausgezeichnet, sie war auch die letzte ihrer Art, so dass der Preis auch nicht dem Etikett eines wesensgleichen Exemplars zu entnehmen war.

Das stellt in einem Kaufhaus nur insofern ein Problem dar, als man jemanden braucht, der für den Verkauf der Mützen zuständig ist. Glücklicherweise war eine Verkäuferin in der Nähe, die wir sogleich um Auskunft baten, die sie uns jedoch nicht geben konnte. Doch sie verwies uns in eine andere Abteilung, die aus welchem Grund auch immer ebenfalls Kopfbedeckungen unter die Leute zu bringen versuchte. Als wir dort unsere Preisanfrage vortrugen, erfuhren wir, dass unsere Mütze unter der Ägide einer externen Firma stünde. Deren Mitarbeiter stellten nicht nur das Sortiment bereit, sie waren auch für die Preisauszeichnung zuständig. Wenn nun aber kein Preis an der Ware zu finden war, ließ er sich auch nicht ermitteln.

Dennoch wollten wir noch nicht aufgeben. Wir gingen zur Kasse. Die Kassiererin war ausgesprochen hilfsbereit, zumal sich der Kundenandrang in überschaubaren Grenzen hielt. Kurzerhand verließ sie ihren Arbeitsplatz, um sich dahin zu begeben, wo unsere kleine Odyssee begonnen hat, zum großen Erstaunen der Kollegin, die wir als erste um Auskunft gebeten hatten. Doch auch die Kassiererin musste klein beigeben. Der Preis war nicht zu ermitteln, der Kauf der Mütze nicht möglich. Um dennoch das kaufmännische Blut der hier Angestellten in Wallung zu bringen, ließ ich generös verlauten, dass das nichts mache. Wir würden uns eben anderswo umsehen. Eine telefonische Rücksprache mit der Geschäftsleitung, um eine für die Kundschaft akzeptable Lösung zu ermitteln, scheint in modernen Kaufhäusern, noch dazu solchen, die mitten in der Fusionierung stecken, keine Option mehr zu sein.

Dass man eine zum Verkauf bestimmte Ware dann doch nicht kaufen kann, ist ein Abenteuer, wie es nur das analoge Leben bieten kann. Deshalb kaufen wir auch künftig bevorzugt stationär.

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